Harener Handwerksgehilfe als bundesweites Vorbild   –   CDU-Delegation auf Gut Kellerberg

Harener Handwerksgehilfe als bundesweites Vorbild – CDU-Delegation auf Gut Kellerberg

Ein ungewöhnlicher Pressetermin hat am Mittwoch im Bildungszentrum Gut Kellerberg in Haren stattgefunden. Während eine Delegation mit den CDU-Bundestagsabgeordneten Gitte Connemann und Uwe Schummer vor Ort saß, wurde der Geschäftsführer des St.-Vitus-Werkes Michael Korden per Videokonferenz aus dem Urlaub an der Ostsee zugeschaltet.

Meppen. Dabei verwies Connemann zuerst darauf, dass ihr letzter Besuch beim St.-Vitus-Werk von Erfolg gekrönt sei. Dank der Harener Initiative wird die Umsatzsteuer von behinderten Mitarbeitern im „personellen Dienstleistungsbereich“ nicht erhöht und bleibt bei sieben Prozent. Korden lobte ausdrücklich das Ergebnis „als verlässliche Größe“ für „betriebsintegrierte Arbeitsplätze“.

Schummer, zugleich Behindertenbeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ging auf das geplante Bundesteilhabegesetz ein, das in den nächsten Monaten vom Bundestag und anschließend vom Bundesrat verabschiedet werden soll.

Geschäftsführer Korden nannte den CDU-Politikern konkrete Verbesserungsvorschläge. Nach dem Gesetzesentwurf soll ein behinderter Mensch nur Eingliederungshilfen erhalten, wenn er in fünf von neun Lebensbereichen eingeschränkt ist. Wer z. B. aufgrund einer Sehbehinderung Hilfe zur Mobilität und beim Lernen benötigt, ist nicht behindert genug, um Eingliederungshilfe beanspruchen zu können.

Schummer versprach, dass oberstes Ziel der Eingliederungshilfe auch weiterhin die Teilhabe des behinderten Menschen sein muss. Johannes Münzebrock vom Bildungszentrum wies auf die Gefahr hin, „dass Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf viel zu schnell in Pflegeeinrichtungen abrutschen“. So würde gerade die Zahl der Menschen mit „erworbenen Hirnschädigungen zum Beispiel nach Unfällen“ stark anwachsen. Leider dauere es oft mehrere Jahre, bis sie ihre Sprachfähigkeiten wiedererlangten. Dies sei jedoch kein Grund, sie nicht beruflich zu qualifizieren.

Schummer erwiderte: „Ziel des Gesetzes ist nicht, diese Menschen in Pflegeeinrichtungen abzuschieben.“ Seine Fraktion wolle keinen Verschiebebahnhof. Münzebrock ergänzte: „Wir wollen diesen Menschen Perspektiven aufzeigen.“

Der Porsche-Traktor wird aufwendig saniert und nach Angaben von Kompetenzfeldleiter Johannes Münzebrock (rechts) später für rund 16000 Euro verkauft

Sehr angetan war der Behinderbeauftragte von einem Projekt, das St. Vitus gemeinsam mit der Handwerksammer realisiert hat. Dies könne bundesweit Vorbildcharakter besitzen. So erhalten Jugendliche nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Bildungszentrum einen zertifizierten Abschluss als Handwerksgehilfe im Bereich Holz bzw. Metall. Dies erleichtere die Jobsuche und steigere das Selbstwertgefühl.

Entgegen vieler Vorurteile lege das St.-Vitus-Werk großen Wert auf die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt. 110 von insgesamt 630 Beschäftigten in den Werkstätten arbeiteten „teilautonom“. Als Beispiel führte er die Cafés in Haren und Meppen sowie die Radstation am Meppener Bahnhof an.

Quelle: Meppener Tagespost – Lokales – 28.07.2016
Autor: Hermann-Josef Mammes
Foto: Hermann-Josef Mammes